Toby´s Trainingsphilosophie

Vorweg sei gesagt, dass die Philosophie ein sehr umfassendes Gebiet ist, mit dem ich mich schon seit langer Zeit beschäftige und somit kann man sagen, dass sich so manche Dinge innerhalb der Philosophie mit jedem Tag und mit jeder neuen Erfahrung ändern können. Also kann man keinen abschließenden Bericht dazu verfassen, weil sich manche Ansichten am laufenden Band ändern.

Was ich hier versuche ist lediglich ein paar Grundsätze zu verfassen.

Die Trainingsphilosophie hat hier nicht unbedingt direkt etwas mit der Reiterei zu tun sondern vielmehr mit einem selbst. Solche Philosophien gibt es in jedem Bereich und jeder Sportart in der es darum geht jemand anderen oder sich selbst zu etwas zu führen. Es hat mit der Einstellung und der Sicht der Dinge eines jeden selbst zu tun. Jedoch möchte ich hier versuchen mich weitestgehend auf die Reiterei zu „beschränken“.

Ute Herold sagte vor langer Zeit mal zu mir: „Du kannst zwar gut reiten, aber oft fehlt dir das Verständnis für Pferde!“ Und schrieb letztendlich „Nutze was du gelernt hast, aber behalte dein eigenes Feeling!“ Als Widmung in die Ausgabe Ihres Buches, die ich bekommen habe.

Lange Zeit hab ich drüber nachgedacht, was sie da wohl mit gemeint hatte, bis ich in dem Buch von Mark Rashid auf die Frage stieß: „Warum Technik ohne Gefühl in die Irre führt!“

An dem Punkt fing ich an zu versuchen die Welt aus der Sicht der Pferde zu sehen. Bis dahin hatte ich jede Menge dieser „Techniken“ gelernt, aber das alleine reichte noch lange nicht aus um gut reiten zu können oder offen zu sein neues zu lernen.

Ich bin ein Mensch der sich extrem von seinen Intuitionen leiten lässt, was dazu führte, dass ich zwar gut mit Pferden arbeiten konnte, mir aber nicht gerade half zu verstehen, was da im Sandkasten passierte. Erst als ich zu versuchen begann wie ein Pferd zu denken und zu fühlen begann sich gleichzeitig der Kreis zu schleißen. Man benötigt die Techniken um auf Aktionen des Pferdes zu reagieren, oder um Reaktionen hervorzurufen. Um diese allerdings verstehen zu können benötigt man das entsprechende Feeling. Beides zusammen versetzt den Menschen in die Lage mit einem Pferd zu kommunizieren, es zu verstehen und MIT ihm zu arbeiten.

So wie diese Leitsätze, gibt es noch eine Menge mehr, die mich zum nachdenken angeregt haben und einige meiner Verhaltensweisen nachhaltig geändert haben und nach wie vor von Tag zu Tag ändern.

Eine weitere kleine Geschichte, dessen Inhalt ich hier mit eigenen Worten wieder geben möchte, stammt aus dem Buch „Cutting“ von Leon Harrel.

Es geht darum, dass Leon an seinem Arbeitsplatz auf der Ranch unzufrieden ist und somit gehr er zu seinem Chef und klagt ihm sein Leid. Dieser hört gespannt zu und als Leon ausgeredet hatte und alles was ihm nicht passte erzählt hatte, sagte sein Chef lediglich zu ihm: „Leon, geh nach Hause und mach eine Liste mit allen Namen derer, die dir hier nicht passen!“

Gesagt, getan, Leon verfasste diese Liste und brachte sie direkt am nächsten morgen zu seinem Chef ins Büro. Aufmerksam las dieser sich diese Liste durch und sagte anschließend zu Leon: „Leon, jetzt schreibst du noch eine solche Liste auf der nur ein Name steht: und zwar deiner!“

Jeder kennt solche Sprüche „Wie man in den Wald ruft, so schallt es herraus“, „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem andern zu“ , „Wer anderen eine Grube gräbt fällt selbst hineine“,“Kleine Sünden, bestraft der Liebe Gott sofort“ usw usw.

Aber wer nimmt sich diese Sätze wirklich zu herzen und denkt drüber nach? Wohl kaum einer.

Die Aussage hinter den Sätzen ist allerdings immer die Gleiche: „Deine Umwelt ist das Spiegelbild deiner Selbst“. Alles negative, was einem in seiner Umwelt auffällt macht einen auf die eigenen Schattenseiten aufmerksam. Weil man diese aber nicht wahr haben will und sich eher versteckt als sich damit auseinanderzusetzen regt man sich darüber auf. Letztendlich resultiert daraus recht häufig Zorn auf manche Dinge, was mich direkt zu dem nächsten dieser Sätze bringt, der mich persönlich sehr zum nachdenken angeregt hat. „ZORN IST DER AUSDRUCK MANGELNDEN WISSENS!“ Und wer möchte schon öffentlich zugeben, dass ihm in manchen Situationen das Wissen fehlt diese Situation zu meistern?

Das Pferd, mit dem man arbeitet erkennt den wahren Mensch, der man ist. Es kann durch Fassaden hindurch sehen und das wahre Innere des Menschen erkennen. Diese spiegelt es exakt eins zu eins wieder. Und wie Menschen auf ihr Spiegelbild reagieren haben wir oben gelesen. Was der Mensch im Umgang mit dem Pferd lernen muss ist ganz simpel. Einfach man selbst zu sein. Und da kommt aber schon der nächste Punkt: „Wer bin ich?“ Wie kann ich, ich selbst sein, wenn ich nicht weiß wer ich bin?

Und darum geht es hier unter anderem: Um die Selbstfindung. Für manche wird es hier mit Sicherheit recht Esoterisch, allerdings sei gesagt, dass ich hier lediglich Versuche ein paar Grundlagen zu verfassen. Und die allerwichtigste Grundlage im Umgang mit Pferden ist ganz einfach die: Sei du selbst und beginne damit die Welt durch die Augen der Pferde zu sehen!

Ich werde mich bemühen diese Zeilen auf dem laufenden zu halten und bei bedarf entsprechend zu ändern und neuste Erfahrungen und Erkenntnisse mit einzubringen, denn wie gesagt, die Philosophie ändert sich mit jedem Tag und mit jeder Erfahrung sowie sich der Mensch, der man selbst ist, mit jedem Tag und mit jeder Erfahrung ändert.