“Hilfe, mein Pferd läuft fühlig!” Nach dem Schmied, auf Schotter, auf hartem Boden, trotz Eisen. Eine Fühligkeit kann sich sehr vielfältig äußern und mindestens genauso viele Ursachen haben. Was bedeutet es, wenn dein Pferd fühlig läuft und was kann der Grund dafür sein. Mit diesem Artikel möchte ich dir mal meine Sicht auf das Thema “Fühligkeit” schildern.

Was bedeutet “fühlig” überhaupt?

Ich denke der Begriff “fühlig” kommt von “fühlen”, mit anderen Worten: das Pferd reagiert beim laufen empfindlich oder auch über sensibel. Die Ursachen dafür können sehr vielfältig sein. In manchen Fällen kann es sogar ein gutes Zeichen sein, wenn Pferde sich kurzfristig fühlig zeigen, denn fühlig sein bedeutet, dass das Pferd den Boden fühlt. Das ist jedoch leider nicht zwangsläufig der Fall. Wenn das Pferd zum Beispiel längere Zeit unter Schmerzen in den Hufen leidet, kann das Pferd den Schmerz “abstellen”. Der Fluchtinstinkt steht höher als das Schmerzempfinden. Das Problem ist nur, dass das Pferd dann eigentlich gar kein Empfinden mehr in den Hufen hat. Bei einem solchen Pferd freue ich mich, wenn es kurzfristig fühlig wird. 

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Wo kann die Ursache für die Fühligkeit liegen?

In den meisten Fällen liegt der Grund für das fühlige Gangbild in den Hufen. Die Hufe können zu kurz sein, falsch ausbalanciert oder überbelastet. Darüber hinaus kann eine Fühligkeit aber auch durch Probleme in der Muskulatur ( Sehnen eingeschlossen ) oder den Gelenken entstehen. Wie kann man es nun weiter eingrenzen?

Wenn das Pferd auf weichem Boden fühlig geht…

In weichem Boden sinken die Trachten oft weiter ein als die Zehe. Dadurch entsteht übermäßiger Zug auf den hinteren Sehnen und der Muskulatur. Wenn das Pferd in weichem Boden fühlig geht auf hartem Boden aber nicht, dann wird die Ursache vermutlich in der Muskulatur liegen. Probleme in den Sehnen oder Gelenken treten selten gleichzeitig auf mehreren Beinen auf. So dass es eher zu einer Lahmheit / Taktunreinheit führen würde als zu einer eher gleichmäßigen Fühligkeit. 

Wenn das Pferd auf hartem Boden fühlig geht…

Geht das Pferd auf hartem Boden fühlig kann das an zu kurzen oder falsch balancierten Hufen liegen. Sind die Hufe zu kurz fehlt es einfach an schützender Substanz. Vergleichbar mit der Hornhaut an unseren Händen oder Füßen. Wenn die Hornhaut fehlt kommt es schnell zu einer Überreizung der Haut. Wenn die Hufe falsch balanciert sind, wird das Pferd wahrscheinlich nicht entsprechend der körperlichen Konstitution fußen und es kommt zu Überreizungen in den Gelenken. 

Fühligkeit in den Hufen diagnostizieren

Nachdem man nun das Gangbild auf verschiedenen Böden begutachtet hat, kann ein Huftester ( oder auch Abdrückzange ) helfen, um die Ursache für die Fühligkeit zu finden. Mit dem Huftester werden die Hufe punktuell mit Druck belastet. Je nach dem bei welchem Druck die Pferde reagieren und den Huf wegziehen wollen, kann man Rückschlüsse darauf ziehen, ob das Empfinden in Ordnung oder übersensibel ist. Außerdem kann ein geübter Blick mit dem Huftester ungefähr abschätzen wie dick die Sohle wahrscheinlich ist. Auch das kann in etwa einen Eindruck darüber vermitteln, ob die Sohle, also die Hufe, ein Grund für die Fühligkeit sein können oder nicht. 

Gründe für eine Fühligkeit in den Hufen

Kurz gesagt kann es folgende Gründe für eine Fühligkeit in den Hufen haben: 

  1. Die Hufe sind zu kurz abgelaufen
  2. Der Hufbearbeiter hat die Hufe zu kurz geschnitten
  3. Es liegt ein Stoffwechsel Problem vor
  4. Es liegt ein Problem im Nährstoff Haushalt vor
  5. Die Hufe sind für die Bodenverhältnisse zu weich
  6. Die Hufe sind ungünstig ausbalanciert, es fehlt tragende Substanz
  7. Es findet eine Änderung in den inneren Strukturen statt

Zu 1. Die Hufe sind zu kurz abgelaufen, das kann passieren, wenn man entweder zu viel auf unvorteilhaftem Boden geritten ist. Zum Beispiel längere Ausritte ohne Hufschutz können ein Grund dafür sein. Manche Stallungen führen aber auch zu zu weit abgelaufenen Hufen. Besonders Aktiv Ställe bei denen ein Großteil der Fläche zum Beispiel betoniert oder gepflastert ist, können für Pferde, die so viel harte Böden nicht gewohnt sind, zumindest in der Eingewöhnungszeit zu einem Problem werden. 

Zu 2. Selbst dem besten Profi kann es mal passieren, dass er über das Ziel hinaus schießt und die Füße zu kurz ausschneidet. 

Zu 3. & 4. Auch ein Problem im Stoffwechsel oder im Nährstoff Haushalt kann vorübergehend zu einer Fühligkeit führen. Dann ist das Problem, dass die Hufe entweder schlicht und ergreifend zu weich sein können oder aber auch, dass den Hufen “Baumaterial” fehlt um robust und tragfähig zu sein. 

Zu 5. Besonders bei schnellen Wetterwechseln kann es sein, dass die Umstellung in den Hufen länger dauert als bei den Bodenverhältnissen. Zum Beispiel bei längeren Trocken Perioden im Sommer oder bei Frost im Winter passen sich die Hufe den Gegebenheiten an und werden auch dem entsprechenden hart. Geschieht diese Umstellung zu langsam kann es auch hier vorübergehend zu einer Fühligkeit kommen. 

Zu 6. Wenn die Hufe nicht ausreichend tragfähig sind kann es auch zu einer Fühligkeit kommen. Tragfähig sind die Hufe vor allem dann, wenn die Wasserlinie ( siehe Grundbegriffe Hufanatomie ) zu 100 % belastbar ist. Die Wasserlinie ist der einzige Bestandteil des Hufes, der wirklich dazu in der Lage ist die Last aufzunehmen. Nun kann es aber passieren, dass entweder mal ein Stück Hufwand herausgebrochen ist oder dass ein Teil der Hufwand durch Verformung nicht tragfähig ist. Beides führt dazu, dass die Tragfähigkeit der fehlenden Wasserlinie durch andere Hufbestandteile übernommen werden muss. Wenn die Strukturen dies nicht gewährleisten können, kommt es ebenfalls zu einer Fühligkeit. Aber auch eine Überbelastung, zum Beispiel durch zu lange Eckstreben oder einen zu dicken Strahl, können genauso, wie eine ungünstige Lastverteilung, zu einer Fühligkeit führen. Ungünstige Lastverteilung kann zum Beispiel sein, wenn die Trachten zu lang sind und zu viel Duck in die Zehe umleiten. Die Last, die von den Trachten kompensiert werden sollte wird dann zusätzlich in die Zehe umgeleitet, so dass es dort zu einer Überbelastung kommt. 

Zu 7. Eine Änderung von 2mm Länge an der Hufwand beeinflusst ca. 700 Muskeln. Nun kann es natürlich auch passieren, dass die Umstellung der Hufe durch die Hufbearbeitung zu einer Art Muskelkater führen kann. Auch das kann kurzfristig zu einer Fühligkeit führen. In diesem Fall darf die Fühligkeit nach dem ausschneiden aber nicht länger als drei Tage anhalten. 

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Abhilfe schaffen

Wenn das Pferd fühlig ist, weil die Hufe zu kurz sind, dann macht es durchaus Sinn, zumindest Zeitweise, einen Hufschutz an zu bringen. In der akuten und schmerzhaften Phase können Hufschuhe gut helfen. So lange die Hufe noch schmerzhaft sind macht es wenig Sinn einen Hufschutz aufzunageln, da jeder Hammerschlag zusätzliche Schmerzen verursacht. Im schlimmsten Fall vergraut man dem Pferd die Hufbearbeitung für lange Zeit. 

Bei einer Fühligkeit, die durch ungünstige Druckverteilung kommt, sollte der Huf schnellstmöglich besser ausbalanciert werden. Wenn nicht genügend tragfähige Struktur vorhanden ist, kann auch hier ein vorübergehender Hufschutz Abhilfe schaffen.

Liegt die Ursache eher beim Stoffwechsel oder bei der Nährstoff Versorgung kann eine Haaranalyse Aufschluss geben. Entsprechend der Haaranalyse kann dann das Futter entsprechend angepasst werden, so dass das Pferd in der Lage ist sich selbst zu helfen. Mehr zum Thema Haaranalyse findest du hier: Bioresonanzanalyse ( jetzt hier klicken! )

Wenn die Fühligkeit durch eine Umstellung entsteht reicht es manchmal schon aus ein paar Tage abzuwarten und dem Pferd etwas Zeit zu geben sich an die neuen Bedingungen und Gegebenheiten anzupassen. 

Ich hoffe mit diesem Artikel konnte ich dir ein wenig Licht ins Dunkle bringen. Falls dir dieser Artikel gefällt teile die Seite doch gerne mit deinen Freunden. 

Ich würde mich auch sehr freuen, wenn du mir einen Kommentar da lassen würdest. Vielleicht hast du ja auch schon ein wenig Erfahrung mit einem fühligen Pferde, dann teile der Community doch gerne mal deine Erfahrungen mit. 


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